Welcher Charakter Typ bist du?

Ich bin kürzlich über einen Online Test gestolpert der Auskunft über die eigene Persönlichkeit gibt. Für gewöhnlich bin ich bei solchen Tests sehr skeptisch, schließlich gibt es sie zu Hauf gerade auf Facebook. In den meisten Fällen ist das Ergebnis sehr Oberflächig oder einfach nur dämlich. Beim Briggs Myers 16 Persönlichkeiten Test verhält es sich jedoch etwas anders. Der Test kann innerhalb kurzer Zeit (etwa 10 Minuten) absolviert werden und liefert trotzdem gute Einblicke in die eigene Persönlichkeit. In den USA findet er seit vielen Jahren bereits weite Anwendung im Personalwesen und Coaching Bereich. In Unternehmen findet der Test breite Anwendung bei der Mitarbeiterbeurteilung, da hier eine Korrelation zwischen der Eignung, der Zufriedenheit und der ermittelten Persönlichkeit gesehen wird. In Deutschland ist er hingegen weitestgehend unbekannt.

 

Im Prinzip beruht der Test auf einer Weiterentwicklung der von Carl Gustav Jung bestimmten Persönlichkeitstypen. Jung bemerkte während seiner täglichen Sitzungen mit seinen Patienten, dass jeder von ihnen seine Umwelt ein wenig anders wahr nahm als er selbst. Er machte Notizen über seine Beobachtungen über das menschliche Wesen und entwickelte daraus bestimmte Charaktermerkmale. Jedem dieser Charaktermerkmale gab er einen konkreten Namen und nutzte, dass erlangte Wissen wiederum für seine Therapiesitzungen. Grundlegend für das Modell ist die Einteilung der Persönlichkeitstypen in vier Funktionen (Denken/Fühlen, Sensorik/Intuition), die jeweils mit den Attributen introvertiert oder extrovertiert belegt werden. Hier einmal die Unterteilung der einzelnen Merkmale:

 

Intraversion und Extraversion (I/E)

Extrovertierte Menschen gehen mehr aus sich heraus, kommunizieren gerne und viel. Introvertierte hingegen sind zurückhaltender und Leben gerne in ihrer eigenen Welt.

 

Intution and Sension (I/S)

Intuitive Menschen richten ihre Entscheidungen an ihrem Bauchgefühl aus, auch bei bestehenden Ungewissheiten. Sensorische Menschen handeln eher logisch und vernünftig auf Grundlage von Fakten.

 

Feeling und Thinking (F/T)

Eher gefühlsbetonte Menschen handeln auf Grundlage von ihren Emotionen, wohingegen kopflastige Menschen rational handeln. Dieses Merkmal gibt daher Auskunft darüber wie wir unsere Entscheidungen treffen.

 

Judging und Perceiving (J/P)

Beschreibt wie fest wir an unseren Entscheidungen festhalten. Der Urteilende (J) neigt dazu sich unabhängig der zugrundeliegenden Informationen schnell und dauerhaft festzulegen. Er mag sein Leben durchgeplant und organisiert Der Flexible (P) entscheidet sich auch gerne einmal um und passt sich der Situation an soweit dies erforderlich ist.

 

Laut der Theorie tendiert jeder von uns zu jeweils einer der beiden Merkmale. Die gesamte Kombination aus diesen Merkmalen bilden dann die Kern Persönlichkeit. Da es vier Paare gibt unter denen gewählt wird, ergibt sich (2x2x2x2=16) verschiedene Persönlichkeiten.

Es werden dabei die folgenden Annahmen über die menschliche Natur zugrunde gelegt:

 

  • Menschliches Verhalten ist niemals vollkommen zufällig. Es gibt feste Regeln nach denen sich unser Verhalten interpretieren lässt

 

  • Unser Verhalten lässt sich daher in genaue Kategorien einteilen und macht es dadurch bis zu einem gewesen gerad berechenbar. Wir können bestimmen wie Individuen die Reize ihrer Umwelt vorrangig aufnehmen und wie wir daraus folgend Entscheidungen ableiten.

 

  • Unser Verhalten ist dadurch bestimmt, dass wir unterschiedliche Neigungen und Vorlieben haben. Hier liegt der Grund warum wir in gleichen Situationen unterschiedlich handeln. Wo der eine Mensch so zum Beispiel rational handelt, handelt der andere aus dem Bauch heraus. Hier liegt auch der Grund für Fehler und Missverständnisse in der Kommunikation zwischen unterschiedlichen Individuen. Gleichzeitig ist der Ansatz die Grundlage zur Lösung dieser Konflikte, sei es zwischen zwei Personen, oder aber in größeren Gruppen.

 

Die ausführliche Version des Tests ist in den meisten Fällen kostenpflichtig und meines Wissens nach auch nur in den USA erhältlich. Eine völlig kostenlose Alternative gibt es jedoch auf dieser Internetseite. Neben dem eigentlichen Onlinetest findet ihr hier tiefgehende Informationen zu dem 16 Persönlichkeitstypen sowie interessante Hintergrundinformationen zur Entstehungsgeschichte.

 

Ich persönlich wurde als der Persönlichkeitstyp „Architekt“ eingeordnet, was anscheinend bedeutet das ich ein „Phantasiereiche und strategische Denker, mit einem Plan für alles“ bin. Bei der genaueren Beschreibung dieses Typs habe ich sehr viele Überschneidungen mit meiner Persönlichkeit festgestellt. Teilweise schon etwas beängstigend, da ich mich tatsächlich verstanden gefühlt habe. Etwas was nicht sehr häufig vor kommt, außer vielleicht bei den Menschen die mir am nächsten stehen.

 

Jedoch gibt es auch zahlreiche Kritiker da draußen, die bemängeln, dass sich der Briggs Myers Test seit seiner Entstehung vor etwa 70 Jahren kaum weiterentwickelt wurde. Zwar galten die Erkenntnisse von Jung zur damaligen Zeit als bahnbrechend, jedoch gelten sie in großen Teilen heute als veraltet. Einige der von Jung aufgegriffenen Ansätze seien zudem falsch interpretiert. Nach heutigem Wissenstand lassen sich Menschen nicht einfach in einzelne Kategorien einteilen, da es immer Überschneidungen in einzelnen Bereichen gibt. So kann ich zwar in Teilen Introvertiert sein, aber auch durchaus extrovertierte Merkmale aufweisen. Auch wird das Ergebnis von unserer aktuellen Gemütslage beeinflusst. Dadurch kann das Endergebnis innerhalb weniger Wochen bei erneuter Ausführung variieren. Generell entwickeln wir uns charakterlich im Laufe unseres Lebens weiter und Verändern uns geistig, weshalb wir uns nicht grundsätzlich in eine feste Klasse einteilen lassen können. Erwartet daher keine hoch wissenschaftlich fundierten Ergebnisse.

 

Nun, warum versuche ich euch trotzdem zu ermutigen den Test zu absolvieren? Sicher, der Briggs Myers Test wird euch keinen hundert prozentigen Aufschluss darüber geben wer ihr seid. Natürlich kann man Menschen in all ihrer Komplexität nicht in 16 Kategorien einteilen. Ihr werdet einige Überschneidungen sehen, in anderen Punkten findet ihr euch vielleicht auch gar nicht wieder. Worum es geht ist Tendenzen zu erkennen. Das bedeutet positive sowie auch negative Charaktereigenschaften. Solange wir wissen was diese Stärken und Schwächen sind, könne wir achtsamer durch unser Leben gehen und an uns Arbeiten. Der Test hält uns daher einen kleinen Spiegel vor Augen. Er ist für den Laien dabei weitaus zugängiger als ein Großteil der anderen, ernster zu nehmenden Persönlichkeitstests da draußen, da er uns in klare für uns greifbare Persönlichkeiten einteilt. Seine Einfachheit ist daher seine größte Stärke, zugleich jedoch auch der größte Kritikpunkt. Nicht mehr, nicht weniger. So mag ich ein guter „strategischer Denker“ sein, Small Talk hingegen liegt mir so gar nicht. Grundlegend weiß ich das auch, es im Detail aber noch mal vor Augen geführt zu bekommen hilft mir dabei an mir zu Arbeiten und mich auf dem Gebiet zu verbessern. Manchmal reicht ein solcher Anstoß aus um aktiv zu werden.

 

Was ist bei euch so rausgekommen? Würde mich mal sehr interessieren ob ihr euch in einer der 16 Typen wiederfinden konntet.

 

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