Warum wir Angst haben

Die Angst ist eine der größten Herausforderungen in unserem Leben. Wir alle fürchten uns vor bestimmten Dingen. In unserer Gesellschaft die geprägt ist von Leistungsdruck und Wettbewerb, sind es für den einen die Sorgen um die berufliche Zukunft. Andere fürchten um ihren gesellschaftlichen Rank, davor was Nachbarn und Freunde über einen denken, nicht geschätzt und geachtet zu werden. Vielleicht ist es auch die Angst krank zu sein oder nichtmehr geliebt zu werden. Es ist dabei gleichgültig welche Meilensteine wir im Leben erreichen und welche Berge wir erklimmen, unsere Ängste sind unsere ständigen Begleiter.

Wir sorgen uns, da wir intelligente Wesen sind. Die gleiche Intelligenz die es uns erlaubt zu planen und kreativ zu sein, sorgt dafür das wir negativ in die Zukunft blicken. Wir neigen dazu uns über alles und jeden Gedanken zu machen. In den meisten Fällen sind unsere Ängste dabei unverhältnismäßig. Weder werden wir morgen sterben, noch fällt uns unser Dach auf den Kopf. Wir sind gefangen in unserer Gedankenwelt. Dies hindert uns, unser Leben vollends zu genießen uns nach unseren Wünschen zu gestalten.

Zu unterscheiden ist hier zum einen die physische Furcht. Sie entstammt unseren Instinkten aus der Urzeit und hat auch heute noch ihre Berechtigung in Situationen unmittelbarer Bedrohungen. In unserer modernen westlichen Welt ist sie es allerdings nicht, die unser Leben bestimmt. Sie ist nicht viel mehr als ein Relikt aus vergangener Zeit, da die Wenigsten von Hunger und physischer Gewalt bedroht sind. Hingegen ist es die psychische Furcht die unseren Alltag bestimmt und die es daher gilt zu verstehen. Durch eingefahrene Denkmuster bestimmt sie unser rationales Denken. Diese Angst ist dabei in vielen Fällen schädlich für uns, da sie uns nicht vor realen Bedrohungen schützt

Was ist also Angst und wie entsteht sie? Jeder von uns hat seine Überzeugungen und Werte mit denen er fest verbunden ist. Wir wollen nicht das unsere Welt ins Wanken gerät. In unserer sicheren Umgebung fürchten wir uns nicht. Sobald wir aber anfangen zu denken, lenkt sich unsere Aufmerksamkeit auf vergangene oder zukünftige Ereignisse. Ich war einmal krank, ich könnte es wieder werden. Was ist, wenn ich arbeitslos werde? Es besteht eine zeitliche Trennung zwischen unserem Denken und dem was war oder sein wird. Die psychische Furcht ist somit ein Resultat unseres Denkens, und das Denken Schuld an unserer Furcht. Nur wenn wir in der Gegenwart leben, es schaffen unseren Verstand auf das hier und jetzt zu lenken, können wir uns von unseren Ängsten befreien. Wir müssen also die Irrationalität unserer eingefahrenen Denkmuster verstehen, nicht nur auf logischer Ebene, sondern aus unserem tiefsten Innere heraus.

Natürlich gehört das Denken zu unserem Alltag dazu. Es spiegelt Erfahrung, Wissen und Überzeugungen wieder. Es ist unser wichtigstes Werkzeug um uns die Welt zu erschließen und miteinander zu kommunizieren. Jedoch ist es auch jener Verstand der unsere Ängste in den Mittelpunkt unserer Wahrnehmung zieht. Der versucht sie zu analysieren, der vergangene und zukünftige Ereignisse immer wieder aufs Neue Betrachtet. Ein eingefahrenes Verhaltensmuster mit nur wenig Aussicht auf Erfolg bei der Befreiung von unseren Ängsten.

 

Was wir gegen unsere Angst tun können

Die meisten von uns waren sicher schon einmal in eben so einer Situation. Wir malen uns die gleichen Ängste immer und immer wieder in unserem Verstand aus. Sicher haben wir dabei versucht unsere Zukunftsängste auf logischer Ebene weg zu denken. Für gewöhnlich geht es uns dadurch in keiner Weise besser. Im Gegenteil, durch das konstante grübeln verstärkt sich das negative Gefühl. Auch werden wir in den seltensten Fällen eine befriedigende Lösung für die Ungewissheiten in unserem Leben finden. Es ist entscheidend, dass wir dieses Muster erkennen. Denn nur, wenn wir verstehen wie unsinnig unser Verhalten ist, können wir aktiv gegensteuern. Der erste Schritt lautet daher die entsprechenden Situationen zu erkennen als dass was sie sind. Die Empfehlung lautet sich folgendes vor Augen zu halten:

 

„Ja, ich habe ein Problem, aber es liegt nicht in dem was einmal war oder noch passieren könnte“

 

Dieser Schritt ist wichtig um eine Distanz zu der Angst und unserem Denken zu bekommen. Wir müssen begreifen das nicht das Objekt vor dem wir uns fürchten schuld an unsere Furcht ist. Es ist unsere Art zu denken und die Art wie wir die negativen Gedanken zum Teil unserer Gegenwart machen.

Im nächsten Schritt müssen wir unsere Aufmerksamkeit weg vom Gegenstand unserer Angst, hin zu etwas Positiven lenken. Worum es sich dabei handelt ist letzten Endes egal. So könnten wir etwas mit Freunden unternehmen, zum Sport gehen, oder ein Instrument spielen. Natürlich hört sich das sehr einfach, wenn nicht sogar selbstverständlich an. In vielen Situationen ist es dies aber gerade eben nicht, solange wir nicht aktiv auf unser Innenleben achten.

Sobald wir versuchen unser Denken auf etwas Angenehmes zu lenken, werden wir merken wie unser Verstand aktiv Widerstand leistet. Gerade am Anfang ist der Umdenkprozess oft sehr zäh und mühselig. Auch wenn sich alles in unserem Innern dagegen weht, gerade in diesen Situationen müssen wir stark sein und uns zwingen uns aus der Gedankenspirale zu befreien. Es ist von entscheidender Bedeutung zu verstehen das es nicht wichtig ist was wir in solchen Momenten fühlen, sondern was wir tun.

Machen wir uns dabei nichts vor, gerade bei stark eingefahrenen Denkmustern müssen wir uns immer wieder aktiv Bemühen. Das bedeutet unsere Ängste als das zu erkennen was sie sind, zu verstehen das wir uns nicht unmittelbar in Gefahr befinden und unsere Aufmerksamkeit auf etwas Positives zu lenken. Je konsequenter wir diese Technik durchziehen, desto seltener werden einzelne Ängste und negative Gedanken auftreten und desto leichter fällt es uns mit der Zeit uns neu zu fokussieren.

 

Hier noch einmal die einzelnen Schritte zusammengefasst:

  1. Identifiziere die negativen Gedanken als dass was Sie sind, falsche Impulse in unserem Gehirn.
  2. Halte die vor Augen, dass die Ursache des Problems nicht beim Gegenstand deiner Angst liegt, sondern bei den falschen und eingefahrenen Denkmustern in unserem Verstand
  3. Lenke deine Aufmerksamkeit auf positive Gedanken und Aktivitäten

 

So simpel dieser Ansatz auch klingen mag, er erfordert viel Mühe uns Durchhaltevermögen und ist in keinem Fall ein Selbstläufer. Es kann Wochen und Monate dauern, bevor sich die Erfolge deutlich bemerkbar machen. Wie bei allen negativen Verhaltensmustern, muss unser Gehirn aktiv trainiert werden. Wer jedoch den Willen und die innere Stärke mitbringt, wird letzten Endes für seine Mühen belohnt werden.

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2 Antworten

  1. Herr LyDmann sagt:

    Zu diesem tollen Artikel möchte ich kurz eine Geschichte erzählen:

    Der Klassiker Höhenangst. Wie ich zu dieser Angst kam, glaube ich auch zu wissen: Ich wurde damals im Kindergarten gefragt, wovor ich Angst hätte. Als ich sagte: „Vor gar nichts!“, erwiderten alle, dass das nicht sein könnte. Ich hab mir dann quasi die Höhenangst „ausgesucht“. Weil ich Spinnenangst richtig dumm fand. Danach entwickelten sich Phänomene wie Schweißhände oder Schwindel. Letztes Jahr habe ich dann einen Fallschirmsprung gemacht, weil ich jemanden beweisen wollte, was für eine Heldin ich bin und das ich vor nichts Angst habe. Zwei Wochen davor musste ich jeden Abend meditieren, weil ich vor Angst nicht schlafen konnte und es keinem anvertraut habe. Ich habe genau da versucht, meine Gedanken neu zu verknüpfen (wie dein Tipp 2). Ich glaube es hat wirklich gefruchtet, denn als ich tatsächlich den Mumm hatte zu springen, dachte ich erst ich muss sterben, dann das krasse Adrenalin und dann… Stolz. Allein für dieses Gefühl, würde ich es jederzeit wieder tun. Es lohnt sich, seine Ängste zu überwinden. Immer.

    • Sebastian sagt:

      Ich gebe dir voll und ganz recht. Es ist immer wichtig sich seinen Ängsten zu stellen. Es stellt sich meistens heraus, das Die Angst vor der Sache weitaus schlimmer ist als die Sache selbst.

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