Die Kunst des kritischen Denkens Teil 2

Im letzten Teil meiner zwei teiligen Serie, habe ich dir typische Denk- und Argumentationsfehler vorgestellt. Im zweiten Teil werde ich euch nun 12 weitere Fehler zeigen, die in vielen Fällen dazu führen, dass wir unsere Meinungen und Entscheidungen aufgrund falscher Annahmen und Tatsachen treffen.

 

 1. Du glaubst das eine „Glückssträhne“ ein wissenschaftliches Phänomen ist

Dieser Denkfehler ist einer der Gründe, weshalb es so viele erfolgreiche Kasinos da draußen gibt. Die Wahrheit ist, dass es so etwas wie eine Glückssträhne nicht gibt und eine 50/50 Chance immer gleichbleibt, egal was zuvor geschehen ist.

Beispiel:

Da beim Roulett 6-mal hintereinander rot kam, ist sich Peter sicher, dass das nächstes Mal schwarz kommen muss.

 

2. Du glaubst das die Popularität einer Sache, oder der Fakt das sehr viele Menschen daran glauben, automatisch eine Validierung gleichkommt.

Allein dadurch das eine Idee besonders populär ist, heißt es noch lange nicht, dass sie auch wirklich wahr ist. Wäre das der Fall würde das bedeuten, dass unsere Erde in Wirklichkeit flach ist anstatt rund.

Beispiel:

Marie behauptet, da so viele Menschen da draußen an Gott glauben, muss einfach etwas dran sein an der ganzen Geschichte.

 

3. Du glaubst das weil eine Autorität an eine bestimmte Sache glaubt, sie automatisch wahr sein muss.

Natürlich ist es wichtig, die Meinung von Experten die ein tiefes Verständnis für ein Thema haben ernst zu nehmen und wert zu schätzen. In keinem Fall sollte man so überheblich sein zu glauben alles besser zu wissen. Jedoch ist es durchaus möglich, dass sich ein Experte in einem bestimmten Gebiet auch einmal täuschen kann. Daher ist es wichtig immer kritisch an Ideen und Meinungen heran zu treten, egal welche Autorität dahintersteckt.

Beispiel:

Da Peter seine Meinung darüber das die Evolutionstheorie falsch ist nicht verteidigen kann, wirft er in den Raum das es Experten gibt, die seine Meinung ebenfalls teilen.

 

4. Du gehst davon aus das ein Teilaspekt von etwas auch automatisch für das große Ganze gilt

Wir gehen häufig davon aus, das ein Teilaspekt einer Sache allgemein gültig für das große Ganze ist und umgekehrt. Es lässt sich allerdings nachweisen, dass das nicht unbedingt wahr sein muss und es auch durchaus Fälle gibt, in denen eine solche Korrelation nicht besteht.
Beispiel:

Schon als Kind interessierte sich Peter für Physik. So hörte er einmal, dass Atome unsichtbar sind. Da er wusste, dass sein Körper auch aus Atomen besteht, glaubte er das er dadurch zwangsläufig auch unsichtbar sein muss. Leider wurde er beim Verstecken spielen vom Gegenteil überzeugt.

 

5. Du appellierst an unumstößliche Grundsätze und ignorierst sämtliche Argumente die das Gegenteil beweisen
Manche von uns neigen dazu sich dermaßen an gewisse Grundsätze zu klammern, sodass sie jegliche Wiederlegungen einfach ignorieren. Ihr Grundsatz steht über allen Fakten.
Beispiel:

Peter meint, dass jeder gute deutsche Staatsbürger gerne Bier trinkt. Marie wiederlegt diese Aussage indem sie meint, dass sie viele Deutsche kennt die lieber Wein trinken. Peter kontert indem er erneut darauf pocht, dass jeder gute Deutsche der etwas auf sich hält gerne Bier trinkt.

 

6. Du urteilst darüber ob etwas gut oder schlecht ist, auf Basis dessen woher es kommt oder von wem
Hier fokussierst du deine Argumentation nicht auf den Gegenstand an sich, sondern auf seine Quelle. Dadurch werden die eigentlichen Fakten schlichtweg ignoriert.
Beispiel:

Peter hört etwas Negatives über einen bekannten Politiker auf RTL. Dadurch das dieser Sender nicht unbedingt für seriöse Berichterstattung steht, geht er automatisch davon aus, dass die Meldung falsch ist.

 

7. Du stellst dein Gegenüber vor die Wahl zwischen zwei Optionen, obwohl es mehrere Alternativen gibt
Hier haben wir das typische „entweder/oder“ Szenario. Gern verwendet in Diskussionen um eine bestimmte Richtung vorzugeben. Bei genauerer Betrachtung stellt sich häufig heraus das es weitere Alternativen gibt zwischen denen man sich entscheiden könnte.
Beispiel:

Peter fordert, dass Marie sich entscheiden soll. Entweder sie entscheidet sich dafür den nächsten Urlaub mit ihm auf Mallorca zu verbringen, oder sie bleiben eben zuhause.

 

8. Um ein Argument zu beweisen, wiederholst du die Kernaussage
A ist wahr, weil A wahr ist. Das Argument führt in keine Richtung, da der Argumentierende sich auf die gleiche Aussage stützt.
Beispiel:

„Der Film hat mir nicht gefallen, da er schlecht war“, „Meine Regeln haben keine Fehler. Würde sich nämlich jeder an meine Regeln halten, würde es erst gar nicht zu Problemen kommen“

 

9. Du argumentierst das etwas gut, besser, gesünder ist, weil es aus der Natur kommt
Viele von uns sind der Meinung das etwas automatisch gut ist, sobald es einen natürlichen Ursprung hat. Häufig ist diese Annahme falsch da sie wichtige Faktoren ausblendet.
Beispiel:

Marie lässt sich von einem Naturheilkundler behandeln. Er rät ihr zu einer ganz besonderen hoch verdünnten Tinktur auf Wasserbasis. Außerdem empfiehlt er ihr sich ja von bösen Medikamenten wir Antibiotika fern zu halten, da Chemie schlecht für den Körper ist.

 

10. Du berufst dich auf persönliche Einzelerfahrungen, anstatt den Sachverhalt im großen Kontext zu betrachten
Für die meisten Menschen ist es viel einfacher sich auf persönliche Erfahrungen zu berufen, anstatt sich mit komplexen Sachverhalten im Detail auseinander zu setzen. Dabei ist die zweite Herangehensweise fast immer die genauere.
Beispiel:

Peter meint das Rauchen nicht so schlimm sein kann, schließlich hat sein Onkel geraucht seitdem er 14 wahr und wurde trotzdem niemals krank.

 

11. Du pickst dir nur die Informationen heraus, die deine These unterstützen und ignorierst willentlich die restlichen Daten
Manchen Menschen ist mehr daran gelegen ihre Meinung zu verteidigen, anstatt sich offen mit einem Thema auseinander zu setzen. Dafür berufen sie sich ausschließlich auf die Informationen die ihre Meinung stützen.
Beispiel:

Marie ist der Meinung das Softdrinks nicht ungesund sind. Sie begründet ihre Behauptung auf die Tatsache das die Länder mit dem größten Softdrink Konsum auch gleichzeitig die höchste Lebenserwartung haben.

 

12. Du bist der Meinung das ein Kompromiss zwischen zwei Extremen automatisch die Wahrheit reflektiert.
In vielen Fällen liegt zwar die Wahrheit in der Mitte. Ab und an ist eine der beiden Seiten aber auch einfach falsch, sodass ein Kompromiss die wirklichen Tatsachen nicht wiederspiegeln kann.
Beispiel:

Marie ist der Meinung, das homöopathische Mittel eine wirksame Alternative zur Schulmedizin sind. Peter kann anhand zahlreicher Studien belegen das ihre Aussage falsch ist. Daraufhin mein Marie das vielleicht nicht alle homöopathischen Mittel wirken, sicher jedoch aber einige.

 

Ich hoffe zum Abschluss meiner Serie ist dir nun das ein oder andere Licht aufgegangen. Ich denke es ist sehr wichtig sich mit solch logischen Trugschlüssen auseinander zu setzen, da wir beinahe tägliche mit ihnen konfrontiert werden. Nur wenn wir verstehen mit welchen Tricks wir uns manipulieren lassen, können wir uns Vernunftgeleitet dagegen zu Wehr setzen. Denn gerade in der heutigen Zeit, in der wir mehr und mehr von Politikern und Medien verblödet werden ist die Vernunft unser höchstes Gut, um uns wieder der äußeren Einflüsse persönlich weiter zu Entwickeln.

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